Vom Hobbyfußballer in die deutsche Marathonspitze

Heute will ich mit euch mal einen Blick in meine Sportliche Vergangenheit werfen und euch meinen Weg zeigen, der mich innerhalb kürzester Zeit in die nationale Marathonspitze führte. Dazu möchte ich erst mal kurz beim „Urschleim“ beginnen und danach die einzelnen Jahre in denen es spannender wird etwas näher erläutern ;).

Aller Anfang ist schwer

Meine erste sportliche „Karriere“ begann im zarten Alter von 12 Jahren. Man mag es nicht glauben aber, da ich damals etwas pummeliger war und trotz allem Freude an der Bewegung hatte, genauer gesagt am Fußball, meldete mein Vater mich beim VfL 28 Ellrich an. Da mich aus zeitlichen Gründen mein Vater nie zum 2 mal wöchentlich stattfindenden Training vom beschaulichen 250 Einwohner Ort Gudersleben in die pulsierende 5000 Einwohner Metropole Ellrich fahren konnte, fuhr ich also immer die 6km bis zum Sportplatz mit dem Fahrrad. Zur Not auch im Dunkeln. Das ging dann eine ganze Weile so und ich durchlief ab der D-Jugend alle Jugendmannschaften, bis hin zur ersten Männermannschaft, die in der Bezirksliga spielte. Dort war ich ein fester Bestandteil der Mannschaft und wurde sogar mal zum Spieler des Jahres gewählt (Mannschaftsintern). 2006/2007 stieg der VFL in die Kreisliga ab. Noch in der ersten Kreisligasaison 2007/2008 wurden wir dritter, wenn ich das noch so richtig im Kopf habe, denn ab hier wird es etwas wärmer, was das laufen anbetrifft ;).

 

Gute Vorsätze und keine Ahnung

Wie das so ist im neuen Jahr, nimmt man sich ja meist viel vor. Zum neuen Start in das Jahr 2007, habe ich mir auch was in den Kopf gesetzt. Ich wollte eine richtige Herausforderung. Ziemlich schnell bin ich dann auch auf was gekommen. Ich wollte einfach mal einen Marathon laufen. Nun ist es ja so, dass der Rennsteiglauf nicht nur in Thüringen, sondern auch national, sowie International sehr bekannt ist. Ein Grund mehr da mitzulaufen!

Allerdings hatte ich nicht wirklich viel Ahnung vom Marathontraining und hakte mein Vorhaben im Frühjahr erst einmal ab. Einen Marathon laufen wollte ich trotzdem noch irgendwie. So kam ich auf die Idee den Berlin Marathon laufen zu wollen. Diesmal allerdings mit Unterstützung von richtigen Läufern ;). Denn der VfL 28 Ellrich hat auch eine Laufabteilung mit vielen positiv „kaputten“. So trainierte ich 60-80km pro Woche für 2 Monate und finishte tatsächlich in „gemächlichen“ 3:13:52h. Danach ging es erstmal wieder ohne laufen mit Fußball weiter aber…

 

Kreisrekord aus dem nichts

…2008 wollte ich unbedingt wieder da rennen. Jetzt kam allerdings ein großer Knackpunkt. Da ich der Laufstärkste unserer Fußballtruppe war, wollte mein Trainer, dass ich eine Strecke im Kurort Sülzhayn aussuche, auf Anfrage des Trainers von Eintracht Sondershausen. Ich sollte zusammen mit den Verbandsligafußballern (höchste Spielklasse in Thüringen) auf dieser Strecke laufen. Etwas verwundert war ich, dass ich als erster fertig war. Bei den Kickern wurde dann sofort Laktak abgenommen. Als ich am Nachmittag auch noch ein gutes Spiel zeigte, wollte man mich bei der Eintracht haben. Meine Chancen dort in der ersten Mannschaft Verbandsliga zu spielen, schätzte ich allerdings als nicht realistisch ein.

So bereitete ich mich diesmal mit 7 Wochen Training ohne vorher gelaufen zu sein mit 100-120km erneut auf den Berlin Marathon. Die letzte Woche hatte ich dann etwas Panik, weil ich Verletzungsbedingt gar nicht laufen konnte. Aber das Training war ja schon in der Tasche.
Eigentlich völlig unerwartet lief ich sogar einen neuen Kreisrekord (Region Nordhausen) mit 2:46:05 h . Danach stand für mich eigentlich fest, dass ich die Fußballschuhe an den Nagel hänge und mit regelmäßigem Lauftraining beginne.

Als kleine zusätzliche Motivation organisierte mein Trainer ein Besuch in Halle bei Sport Cierpinski. Nach dem Besuch durfte ich dann auch noch eine lockere Runde mit Falk Cierpinski drehen.

 

Halle 2008

Besuch bei Sport Cierpinski in Halle zusammen mit meinem damaligen Fußballtrainier (links)

 

Ein surreales Jahr (2009)

Im Frühjahr verpasste ich beim Oberelbe Marathon knapp meinen neuen Kreisrekord, bei fast 30 Grad. Ein Volkslauf nach dem anderen gewann ich. Aber ich wollte mehr. In meiner Firma belächelte man mich, für das was ich tat, vor allem auch weil mein damaliger Chef Sponsor im Ellricher Fußballverein war und es nicht so toll fand, dass ich aufgehört hatte.

Im Herbst wollte ich wieder….. na klar, den Berlin Marathon laufen. Ich war aber mittlerweile schon in der Lage, meine eigenen Trainingspläne zu machen. So fing ich an neben meiner Ausbildung als Konstruktionsmechaniker 2 mal am Tag zu trainieren. Ich hatte einfach riesen Spaß daran. Das bedeutete 4:00Uhr aufstehen und 4:20Uhr loslaufen. Am Nachmittag nach der Arbeit (meist mit Überstunden!), lagen die Sachen schon fertig zurecht gelegt und ich drehte die nächste Runde durch den Südharz. Oftmals musste ich aufgrund von Montagen auch in anderen Städten laufen. Die Mühe sollte sich auszahlen. Und wie!!!

Ich pulverisierte bei fast 25 Grad meinen eigenen Kreisrekord. Nach 2:29:52h blieb die Uhr stehen. Wahnsinn! 5 Wochen später lief ich in Magdeburg noch einen Halbmarathon. Dort wurde ich in 68:29min zweiter.

In Erfurt wurde man auf mich aufmerksam. So trainierte ich gegen Ende 2009 schon einige Male beim LC Erfurt unter Dieter Hermann (Trainer von Olympiasieger Nils Schuhmann) mit. Nach einer Einheit kam Michael Müller auf mich zu und fragte, ob ich weiß was ich da gemacht habe im Hebst. Ich verneinte. „Du weißt schon, dass du die 3. Schnellste Zeit in der U23 in Deutschland gelaufen bist“. Wow!

 

Berlin Marathon 2009

Berlin Marathon 2009

 

Endgültig angekommen

Im Herbst 2010 kam ich endgültig in der nationalen Marathonspitze an. Zum 4.mal in Folge lief ich beim Berlin Marathon. Am Ende kam ich im Berliner Dauerregen als 2.bester Deutscher nach 2:22:31h an. Das bedeutete die 5.schnellste Zeit deutschlandweit!

http://nordhausen.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/sport/detail/-/specific/Ein-Suedharzer-mischt-die-deutsche-Marathon-Szene-auf-291452658

Bei meinem ersten von 2 Siegen beim Erfurter Silversterlauf (2010)

Bei meinem ersten von 2 Siegen beim Erfurter Silversterlauf (2010)

 

In den folgen Jahren konnte ich meine Leistungen stabil halten.

2012 Frankfurt Marathon 2:21:25h
2013 Düsseldorf Marathon 2:21:15h
2013 München Marathon 2:20:51h

Im Frühjahr 2014 konnte ich beim Kassel Marathon meine aktuelle Bestzeit mit 2:18:17h aufstellen.
Dabei Werte ich den München Marathon als meinen bisher größten Erfolg. Denn dort konnte ich Platz 3 bei der Deutschen Marathon Meisterschaft belegen. Allerdings steht auch der 3. Platz beim 2. größten Silvesterlauf Deustchland’s in Bietigheim auf meiner persönlichen Agenda.

 

Steckbrief:

Allgemein

Verein:            GutsMuths Rennsteiglaufverein
Alter:               26 (31.08.87)
Geboren:         Nordhausen
Homepage:     www.chrisk-marathon.de

 

Bestzeiten:

3000m:           8:27,45min
5000m:           15:32,89min (Trainingswettkampf)
10km:              30:47min
21,0975km:     66:45min
42,195km:        2:18:17h

Autor: Ich bin ambitionierter Leistungssportler mit der Schwerpunktdisziplin Marathon. Lange Strecken reizen mich und ich habe den Wunsch 2:14:30 über die 42.195km zu laufen (derzeit 2:18:17 Kassel-Marathon). Ich habe erst 2009 richtig mit dem Laufen begonnen - jetzt nie wieder ohne!

Hier gehts zu allen Beiträgen von Christian König.

  • Sergej

    Brudal was du tranierst ey, ich komm nur 2 mal Woche zum kicke und bin da schon voll stolz! Aber wie machst du dann mit Arbeit und so? Stell mir das echt hart vor. Gehst du immer noch um 4 Arbeit?! Dein Kumpel ist ja Polizei oder so, du auch? Aber weiter so Jungs!!!!!

    • Gregor

      Der gute Sergej klingt witzig – ich finde die Frage in der Tat interessant. Ihr trainiert meines Wissens nach gleichviel oder sogar mehr als die meisten anderen Weltklasseläufer. Wie integriert man diese enormen Belastungen in den Alltag? Sportliche Grüße (von einem langsamen Läufer, ich fahre lieber Rad)

      • http://www.chrisk-marathon.de/ Christian König

        Man kann durchaus Belastungen bis zu 200km in der Woche auch mit normaler Alltagsbelastung unterbekommen. Allerdings ist dann das Ergebniss auch entsprechend. Gerade im Langstreckenlauf geht gar nichts ohne die nötige Regeneration. Der Muskel wächst nur in der Ruhe. Im Moment habe ich noch den „Luxus“ mich voll auf den Sport zu konzentrieren. In Nationen wie der Schweiz würden schon Zeiten um 2:26h reichen um gut gefördert zu werden. In Deutschland sieht man sich selbst mit 2:18h nicht dazu aufgerufen, seine! Sportler zu unterstützen.

        Sportliche Grüße

    • http://www.chrisk-marathon.de/ Christian König

      Im Moment konzentriere ich mich nur auf den Sport. Die Frage ist natürlich wie lange das gut geht, da es für uns keinerlei Förderung gibt vom Leichtathletikverband. In meiner Ausbildung bin ich frühs um 4:20Uhr gelaufen und während meinem Abi bzw. Studium konnte ich es mir gut einteilen zeitlich.

  • Danny

    Ich verfolge eure Entwicklung so gut ich kann und freue mich sehr darüber, dass ihr als Thüringer Sportler so eine großartige Leitung hinlegt und den Rennsteiglauf mit Stolz präsentiert! Bleibt bitte am Ball und zeigt in ein paar Jahren der europäischen Spitze was ihr drauf habt! Ich glaube fest an euch!

  • Stev Röthling

    Schöner Beitrag und Blog insgesamt, weiter so und mehr davon! Viele Grüße aus dem verregneten Detmold!