Bestzeit an der Alster

Vergangenen Sonntag wollte ich in Hamburg beim Alsterlauf noch einmal über 10km einen guten Reiz setzen und meine Form nach dem Trainingslager in St. Moritz überprüfen. Ich entschied mich aus diversen Gründen gegen einen Start bei der Deutschen Meisterschaft in Düsseldorf. Dazu schrieb ich in der Vergangenheit schon etwas.
Letzten Freitag reiste ich aus dem Trainingslager 12h mit dem Zug nach Erfurt zurück, um dann direkt nach dem Auspacken schon wieder die Sachen für Hamburg einzupacken. Am Samstagmorgen fuhr ich dann per Bus 6h nach Hamburg. Dort angekommen, holte ich noch meine Startnummer ab und checkte im Scandic Hotel ein. Hotel, sowie Freistart wurden vom Veranstalter gestellt.
Da am selben Tag die Deutschen Meisterschaften über 10km beim Düsseldorfer Kö-Lauf stattfanden, rechnete ich schon vorher damit, dass ich wohl nach den Afrikanern mein Rennen alleine machen muss.

Sonntagmorgen 5.50Uhr klingelte mein Wecker. Ohne großes zögern ging es raus auf die Piste. 4km Auftakt um den müden Körper wach zu bekommen und um etwas Spannung aufzubauen.
Um 9.00 Uhr ging es dann zu Fuß zum Start in die Mönckebergstraße. Nach 3km Warmlaufen und einem Lauf ABC ging es dann endlich los!

10:00Uhr fiel der Startschuss und 5200 Teilnehmer setzten sich in Bewegung. Vor allem die kenianische Scharr mit meinem Kumpel Dickson flog nur so davon. Ich blickte auf meine Uhr. Kilometer 1 in 2:56min. Super! Nicht so ungewöhnlich, dass selbst die kenianischen Frauen da auch mit von der Partie waren. Ungewöhnlich fand ich nur die große Lücke zu den ersten Frauen. Bis Kilometer 3 hatte ich noch ein wenig Unterstützung von Paul Schmidt (Marathon Bestzeit 2:22h), bevor ich dann bei KM 3,4 endlich die ersten beiden Kenianerinnen eingeholt hatte. Unglaublich wie die es jedes mal schaffen über ihren Verhältnissen loszurennen ohne darüber nachzudenken, dass man mit einem gleichmäßigem Lauf wohl im Endeffekt schneller wäre. Aber dieses taktische Geheimnis behalte ich lieber für mich ;).

Ab Kilometer 3 war ich also alleine unterwegs. Die 5km Marke passierte ich nach 15:06min und merkte dann aber schon, dass es etwas schwerer wurde. Immer wieder ging es kleinere Wellen hinauf und manchmal kam auch ein wenig Wind dazu. Mental wurde es sehr schwer und ich suchte die einzelnen Kilometerschilder.
Auf den letzten beiden Kilometer konnte ich dann allerdings wieder etwas zulegen. Angepeitscht von den Zuschauern am Streckenrand, schaute ich nicht mehr auf die Uhr und rannte was die Beine hergaben. Am Ende überquerte ich als 14. Nach 30:30min in neuer persönlicher Bestzeit den Zielstrich. Damit wurde ich hinter 12 Kenianer und einem Äthiopier bester deutscher, sowie bester Europäer. Mein Freund Dickson wurde sogar 2. in 28:31min. Wahnsinn was die Rennen können!

Siegerehrung beim 25. Alsterlauf

Siegerehrung beim 25. Alsterlauf

Jetzt sind es nur noch 14 Tage bis zum Berlin Marathon und die letzten Tage Training verliefen wirklich sehr gut. Gestern testete ich nochmal meine Form über 29km und war so schnell wie bei noch keinem der langen Läufe zuvor. Ab nächster Woche Montag heißt es dann so langsam Ruhe bewahren und kürzer treten.

Die letzten Tage nach Hamburg:

Sonnatg: Hamburg Alsterlauf 10km 30:30min (3:03min/km)
Montag: früh: 15km 60:40min (4:07min/km)
Abends: 10km 40:38min (4:04min/km)
Dienstag: früh: 30km 1:53:42h (3:47min/km)
Mittwoch: früh: 4km Einlaufen 15km in 52:44min (3:31min/km) 4km Auslaufen
Abends: 10km 40:14min (4:01min/km)
Donnerstag: früh: 29km in 1:36:31h (3:20min/km) +4km Auslaufen Abschlusseinheit

usw. ;)

Heute früh lief ich auf der Bahn nochmal 3x5000m mit 3min Pause im geplanten Marathonrenntempo (3:13min/km). Das hieß, dass ich die Abschnitte in 16:05min laufen musste. Diese Einheit lief ich in Nordhausen auf der Bahn. Da oben weht es immer mal kräftig und so war es auch heute.
Die Abschnitte:
1. 16:05min
2. 16:03min
3. 15:59min

Das lief also schon ganz gut und die Beine sind auch wirklich super, trotz der nochmal guten und harten Woche mit dem schnellen 29km – Lauf drin. Ab morgen beginnt die Taperingphase und ich muss kürzer treten. Das Dauerlauftempo bleibt hoch, bei dafür vergleichsweise kürzeren Strecken von maximal 10-12km. Die ganz intensiven Einheiten bleiben allerdings außen vor.

Am Ende möchte ich meinem Trainingspartner und Kumpel Marcel ganz herzlich zum tollen 2. Platz in Köln gratulieren. Und mit 2:17:55h ist auch noch eine richtig gute Zeit rausgesprungen. Lieber Marcel, auch wenn du dir von der Zeit mehr erhofft hast, so muss ein deutscher erst einmal 2 mal im Jahr deutlich unter 2:20h bleiben. Das war heute die Bestätigung unserer guten Trainingsarbeit! Du darfst jetzt schon zufrieden sein mit einem super Jahr 2014, auch wenn du noch einen echten Höhepunkt vor dir hast ;).

In diesem Sinne
Keep on running

Autor: Ich bin ambitionierter Leistungssportler mit der Schwerpunktdisziplin Marathon. Lange Strecken reizen mich und ich habe den Wunsch 2:14:30 über die 42.195km zu laufen (derzeit 2:18:17 Kassel-Marathon). Ich habe erst 2009 richtig mit dem Laufen begonnen - jetzt nie wieder ohne!

Hier gehts zu allen Beiträgen von Christian König.

  • Martin

    Eine wirkliche starke Leistung!
    Aber eine Frage beschäftigt mich: Du läufst dich insgesamt (mit LaufABC) über 7km ein an dem Wettkampftag? Wie und wann (auf welchem Leistungsstand) hast du gemerkt, dass dir das hilft und du dadurch schneller wirst? Verpulvert man bei so viel Warmlaufen nicht viel Energie?
    Klar, ich lauf mich auch warm, obwohl ich schon andere Sachen gehört habe, aber 7km bei einem 10km-Lauf ist ja echt hart :)

    Ansonsten mal wieder Danke für deine Einblicke! Immer sehr spannend!

    • Hallo Martin,

      7km klingt hart aber unter Leistungssportlern ist das eigentlich fast gang und gebe auch vor einem 10km Lauf. Bei so manchen Lauf treffen sich früh’s vor dem Hotel mehrere Läufer und machen einen lockeren Auftakt.

      Direkt als 7km Einlaufen kann man das nicht sehen. Zwischen dem Auftakt und dem Warmlaufen vor dem Wettkampf liegen 3h. Das ist also kein Problem. Der Auftakt wird auch nur sehr locker und ohne Blick auf die Uhr gelaufen. Meist lauf ich so im Schnitt um die 4:20-4:30min/km.
      Das dient mir und meinem Körper, den Biorhythmus in Schwung zu bringen. Im Normalfall brauchen die Systeme im Körper 3h um auf normaler Leistungsfähigkeit zu sein. Vor einem Marathon bin ich meist auch einer der absoluten Frühaufsteher. Dort mache ich aber „nur“ einen Spaziergang von etwa 20 min.

      Meine Ergebnisse waren mit Auftakt meist besser, als ohne. Ich finde dann auch sofort in den Wettkampf.

      Was ich allerdings raten kann um Energie zu sparen ist, dass man vor dem Wettkampf das dehnen weglassen sollte. Bei mir kommen vor dem laufen und vor Wettkämpfen nur Lauf ABC Übungen in Frage. Das verbessert die Ökonomie und man hat ein wesentlich besseres Laufgefühl. Dehnen wird überbewertet ;).

  • Analyst

    Analyst:

    Nicht erschrecken, aber zu viel Super Super … verklärt den Blick für die Realität.
    Naja bei Marcel war ja die Zeit, bei dem gesamten Aufwand über das Jahr betrachtet (Kenia, St. Moritz, Top Voraussetzung beim Arbeitgeber, etc. ) nicht gerade der Rausreißer.
    Trotz allem Glückwunsch zu Platz 2.
    Jetzt zu der Zeit.
    Wie soll es auch gehen, bei den Zubringerleistungen ( Unterdistanzen, siehe seine Homepage), irgendwann ist der Deckel drauf und man läuft hinter zu hoch gesteckten Zielen her oder zerbricht daran.
    Hoffentlich läuft es bei Dir besser, da ich bei Dir doch die größeren Chancen sehe, dieses Ziel von 2:14:30 zu erreichen als bei Marcel.
    Zu denken gibt mir aber schon, das es mit der Grundschnelligkeit über 5 und 10 000m fast ein unmögliches Unterfangen sein wird.
    Hier kann man sich an deutschen Mitstreitern orientieren, welche da wesentlich schneller sind und trotz allem sich mit dieser angestebten Zeit schwer taten.
    Sicher gibt es viele Wege um solche Zeiten zu erreichen, aber einen Sockel benötigt man schon um so etwas zu erreichen.
    Ausdauer und Umfänge allein sind nicht alles.
    Aber vielleicht klappt es ja.
    Nicht übel nehmen, vielleicht nur ein Denkanstoß
    Viel Glück

    • Da hast du natürlich recht! Die Zubringerleistungen sind natürlich entscheidend, wenn man eine Marathonzeit ableiten will. Allerdings sollte man dabei nicht vergessen, dass Marcel und ich unsere Rennen aus dem vollen Training heraus bestreiten und die Wettkämpfe um den Marathon herum eher Mittelmäßig sind.

      Ich habe mich noch nie spezifisch auf ein 10km Rennen oder 10000m Bahnrennen vorbereitet. Einzig beim Bietigheimer Silvesterlauf habe ich das mal über 8 Wochen gemacht und war dort auf der 11km Strecke mit einem 3:02er Schnitt bei 150 Höhenmetern schneller als bei meiner 10km PB. An dem Tag wäre es auf einer schnellen 10 wohl Richtung 30:00min gegangen.

      Ich kenne die meisten Zubringerleistungen meiner Mitstreiter und muss doch ehrlicher Weise sagen, dass die meisten die deutlich schneller sind untenrum, auf einmal beim Marathon nicht mal annährend die 2:20h Marke schaffen. Das ist also nicht so einfach mal eben hochzurechnen. Für unsere Unterdistanzen, können wir das ziemlich gut Umsetzen im Vergleich zur Konkurrenz.

      Nur mal zwei Beispiele:
      Andre Pollmächer ist 2min Schneller auf 10km (28:46min) und ist mit 2:13:05h gerade mal 4 min schneller auf Marathon. Betrachtet man auch noch zusätzlich die Umstände, dass Marcel, sowie meine Bestzeit auf einer ähnlichen Strecke wie bei der EM (Kassel Marathon 180HM) gelaufen sind, wobei Andre dort 2:14:51 lief. Dann muss man sagen das wir eine Top Umsetzung haben.

      Beispiel zwei ist Sören Kah. Er ist zwar schon 29:46min bei einer DM gelaufen auf der Straße, schafft es aber in einer Marathonvorbereitung meist geradeso unter 30min. Aufgrund von Trainingsumfang und Müdigkeit. Er ist 2:13:57h im Marathon gelaufen.

      Also man muss auch immer die Umstände mit betrachten. Und im Leistungssport leben wir einfach immer wieder auch im Training davon, dass wir glauben einen weiteren Leistungssprung zu machen. Das haben wir geschafft in diesem Jahr mit über 3min ist das keine unerhebliche Steigerung.

      Also wir tun denk ich unser möglichtest und die 2:14:30h ist ja ein Fernziel was uns Reizt. Wir wollen uns versuchen da langsam ranzutasten. Ich denke auch die vielen anderen deutschen mit viel schneller Zubringerleistungen bleiben da einiges mehr schuldig im Marathon uns gegenüber.

    • Stefan Kaczmarek

      Hallo Analyst,

      um ehrlich zu sein dein Beitrag ist unter aller Sau und zeugt nicht gerade von großem Sachverstand – zumindest Ahnung hast du wohl nicht. Mich wundert, dass Christian auf solch einen „Kommentar“ überhaupt geantwortet hat.
      Marcel ist der erste Deutsche, der seit 16 Jahren wieder einmal bei einem der großen Stadtmarathons aufs Podest gelaufen ist und sogar namhafte Top-Läufer hinter sich gelassen hat. Wer daran noch etwas schlechtredet oder auszusetzen hat, hat keine Ahnung von der Materie oder ist nur neidisch auf dessen Erfolg. Leider rufen solche großen Deutschen Erfolge auch immer wieder Neider auf den Plan. Lass mich raten du bis bestimmt noch keinen Marathon gelaufen oder bestenfalls einen in 5 Stunden.

      • Analyst

        Hallo Stefan,

        Sorry, wenn für Dich das Eis so dünn ist, das du so dünnhäutig auf den „Denkanstoß“ reagierst.

        Also Neid aus diesem Alter bin ich raus.

        Es ging mir nicht darum irgend eine Leistung herab zu würdigen.

        Und ich denke Marcel kann seine Leistung sachlich betrachtet einordnen und wird wohl auch damit umzugehen wissen.

        Auch das gehört zum Leistungssport.

        Aber aus Christian seiner Reaktion kannst Du ja wohl auch sehen, das er sich mit dieser Sache auseinander setzt und dann auch auf Sachkenntnisse eingeht.

        Ich denke, ich habe schon einige Jahre im Laufsport auf dem Buckel, kenne mich mit Disziplin, Periodisierungen, Trainingsgestaltung, Leistungseinschätzungen und Zielsetzungen aus.

        Ich habe Langstreckenläufer, angefangen von Leiteritz, Haase, Kuschmann …Cierpinski (Sen.-Jun.), Dobler,Eich, Fitz etc. beobachtet.

        Auch Oldies aus den 70- 80 Jahren bis hin zur Neuzeit im internationalen Bereich.

        Also ein wenig Sachverstand habe ich schon und betrachte die ganze Sache einfach nur, nüchtern analytisch.

        Zu den Kölnmarathon, dieser war ja nun wirklich nur 2-3. Klassig besetzt und unter anderem hatte Sabrina Mockenhaupt in Ihrer Kommentierung (Livestream) mit angedeutet , das der Köln-Marathonmit einer tollen Atmosphäre mehr den Volks-und Breitensportbereich anspricht, mit einigen Leistungsläufern (Topläufer war wohl nur einer am Start und dieser gab sein Debüt). Deshalb würde ich, auch wenn es ein schöner und lobenswerter Erfolg ist nicht überbewerten.

        Es ging mir einzig und allein um einen Denkanstoß.

        Wenn Marcel und Christian eben diese Weg gehen, sind es halt nur Gedanken, wie man sich dann, bei diesen doch schon fast an der Grenze angekommenen Umfängen noch steigern kann.

        So das war es erst einmal, ich wünsche natürlich Christian eine verletzungsfreie Zeit und das ihm in Berlin „einer raus rutscht“.

        • Stefan Kaczmarek

          Tja nur vom beobachten und gute Ratschläge vom Sofa aus verteilen alleine wird es nichts und die von ihnen angesprochenen DDR-Marathonläufer mit ihren damaligen „Wunderzeiten“ sagen wir es mal so, sind aus einer anderen Ära.

          • Analyst

            Autsch, darauf habe ich gewartet…

            Die Hälfte der erwähnten Läufer waren aus den „alten Bundesländern“.

            Glaub mir, ich stecke tiefer in der Materie als Du vielleicht denkst.

            Und wenn Du Dich einmal mit „alten Langstrecklern aus dem damalige Leistungsbereich“ egal, ob Ost oder West unterhalten würdest und würdest Du verstehen das nicht alles nur der Dop. Problematik zugeschrieben werden kann und muss.

            Solche Leute wie Siegfried Hermann, Jürgen May, Bernd Dießner( übrigens A.Pollmächers Trainer und Mentor, von dem er glaub ich das Trainer-ABC gelernt hat, oder auch Harald Norpoth und, und, und,

            haben nicht nur den Leistungssport betrieben, nein diese waren auch beruflich noch aktiv.

            Und in dieser Zeit war die Dopingära noch nicht eingeläutet.

            Vielleicht wäre es eine interessante Anregung,

            irgendwo einmal eine Talkrunde mit solchen „alten Haudegen“ zu machen.

            Und glaub mir Du würdest nur staunen, unter welchen Bedingungen, sie für damalige Verhältnisse erstaunlichen Leistungen mit Entbehrungen Kampf und Wille erbracht haben.
            Da gab es noch keine Krafträume, Entspannungsbecken, Physiotherapeutische Betreuung, Tartanbahnen und und und.
            Von Ernährungswissenschaften ganz zu schweigen.
            Erfahrungen der „Alten“ , der Austausch, das ein oder andere daraus mitnehmen, das ist meine persönliche Meinung, würde dem Langstreckenbereich in Deutschland weiterbringen
            Vergesst den ganzen anderen Schnikschnak mit „Verstoffwechslung“ etc.. Das kann dann später im Hochleistungsbereich kommen.
            Wesentliche Grundelemente im Training und der Methodik müssen beherrscht werden, die Einstellung und das Bewusstsein das Laufen und ich meine schnelles Laufen auch Wehtun kann und nicht nur Endorphin behaftet ist.
            Im Leistungs- und Hochleistungsbereich kann dann der Feinschliff kommen.
            Man kann über Details, persönliche Wege diskutieren aber das wesentliche steht.
            Aber jetzt erst einmal Schluß, da wir schon ziemlich weit von dem ursprünglichen abgekommen sind.

  • Marco

    Hallo Christian,

    was der Analyst schrieb, ging mir auch schon öfters durch den Kopf, wobei mir schon klar war, dass der Marathon und die 10 km zwei paar Schuhe sind. Außerdem haben viele Weltklasseläufer ihre 10-km-Bestzeiten Jahre vor ihren Marathon-Bestzeiten erzielt und vielleicht diese 10 km-Zeiten mittlerweile wohl auch nicht mehr laufen können.

    Was mir auffällt, dass sowohl Du als auch Marcel die langen Läufe immer sehr flott lauft. Das widerspricht ein bisschen dem, was bei den verschiedenen Trainingsplänen empfohlen wird. Ist das eine andere „Trainings-Philosophie“ oder ist in Eurem Spitzenbereich ein Aufschlag von 7 sec/km schon langsam (zum Training des Fettstoffwechsels). Der Erfolg gibt Euch ja recht.

    Ich glaube an Euch und traue Euch sogar noch deutlich schnellere Zeiten (2:10 h?) zu. Ihr seid noch jung und nicht von der Jugend an Läufer. Euer Potential ist mit Sicherheit noch nicht ausgeschöpft. Und wie Ihr Eure Unterdistanzzeiten auf den Marathon übertragt ist schon heute Weltklasse!

    Viel Erfolg für Berlin, wobei bei dem erwarteten Starterfeld ein Platz auf dem Podium wohl kaum drin sein wird.

    Marco

    • Hallo Marco,

      wir verfolgen da mittlerweile schon eine etwas andere Philosophie als immer nur lang und langsam, wie in der meisten Literatur beschrieben. Die Tendenz der letzten Jahre zeigt mehr in Richtung Qualität, statt Quantität. Also weniger Umfänge und dafür höhere Geschwindigkeiten bei Dauerläufen und Tempoeinheiten.

      Ich habe in den letzten Jahren schon viele Pläne aus Bücher umgesetzt. Angefangen habe ich sogar mal mit Plänen von Peter Greif. Nach und nach habe ich meine Erfahrungen gesammelt und mein Training optimiert. Immer wieder neue Einheiten ausprobiert und für mich angepasst.

      Irgendwann bin ich dann auf diese schnellen langen Läufe gekommen, da ich immer sehr viel über Viktor Röthlin gelesen habe. Er hat diese Trainingsform aus Kenia als einer der ersten Europäer mitgebracht und für sich angepasst. In Kenia selber werden diese Einheiten teilweise bis zu 30km im Marathonrenntempo gelaufen (3:00min/km). Und das auf 2400m Höhe. Wahnsinn!

      Bei den schnellen langen wird weniger der Fettstoffwechsel angesprochen im ersten Teil des Laufes. Beachtet man aber, dass der Glykogenspeicher nur max. 90min hält, so kommen wir auch bei den schnellen langen in eine Situation, bei der der Speicher komplett leer ist. Das heißt wir laufen noch eine halbe Stunde in hohem Tempo nur auf „Fettreserve“ weiter. Kommt noch dazu, dass der Nachbrenneffekt deutlich höher ist, als bei einem langsamen 35km Lauf. Somit haben wir auch da einen sehr guten Fettstoffwechseleffekt. In unserem Trainingsplan ist zudem auch noch ein zweiter langer Lauf in deutlich langsameren Tempo dabei, wo während des laufens der Fettstoffwechsel früher Angesprochen wird. Bei diesen Läufen geht es eher um die Belastungsdauer, die durch langsameres Tempo wesentlich länger ist. Dadurch erzielt man bei lang und langsam einen Effekt. Ebenfalls ist bei einem langsameren Tempo die Energiebereitstellung eine andere. Der Körper braucht dann gar nicht erst auf Kohlenhydrate zugreifen, da die Energie aus Fettreserven ausreicht.

      Allerdings streiten sich auch hier noch viele Wissenschaftler :). Eins ist aber Fakt. Sind Kohlenhydrate im Tank, verhindern sie auch bei langsamen Läufen die Fettstoffwechselabläufe. Also wenn man einen richtigen Effekt erzielen möchte sollte das Frühstück vor dem langen Lauf Kohlenhydratfrei sein. Und während des Laufes kommt nur Wasser in Frage als Getränkt.

      Beste Grüße

      • Marco

        Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

        Aber der mit den „weniger Umfänge“ war bei über 200 WKM wirklich gut!

        • Hallo Marco,

          früher wurden bis zu 350! WKM gelaufen. Auf der Seite der Runnersworld gibt es eine Trainingswoche von Jörg Peter, der für seinen Deutschen Marathonrekord solche Umfänge in der Höhe absolviert hat, bei 3 mal training am Tag. In Japan wird aus Tradition heute noch teilweise so trainiert.

          http://www.runnersworld.de/training/joerg-peter.61810.htm

          250WKM sind das aus meiner Sicht maximal Verträgliche Maß um eine Ausgewoge Mischung aus Umfang und Qualität noch gewährleisten zu können.

  • Martin

    Fast passend zu diesem Thema hat ja jetzt Arne Gabius sein Marathondebut mit einer Zeit um die 2:10h angekündigt. Er hat ja wirklich bombige Zeiten auf den Unterdistanzen.
    Kennt Ihr ihn und seine Leistungsfähigkeit über die lange Strecke? Könnt Ihr abschätzen, ob das was wird?
    Damit würde er ja aus dem (fast-) Nichts alle anderen deutschen Spitzenläufer der letzten Jahre in den Schatten stellen (Pollmächer, Blazinski, Flügel, Fitschen, Cierpinski, Euch Beide etc.). Die 62er-HM-Zeit von New York scheint ja vielversprechend zu sein. Oder versucht da nur der Veranstalter vom Frankfurt Marathon, bei dem Gabius starten wird, ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu generieren?

    • Hallo Martin,

      man muss abwarten was jenseits der 30km Marke passiert. Bei Mo Farah hat man auch gesehen im Frühjahr das er seine Unterdistanzen nicht wirklich auf die Straße bringen konnte, weil er mit seinen langen Bahnschritt zu viel Kraft verbraucht hat. Das mag bis Halbmarathon noch gehen aber dann…..

      Gelingt Arne diese Umstellung, ist aufgrund seiner Zeiten auf den Unterdistanzen und seinem Talent eine Zeit um 2:10h nur die einzig logische Zielstellung für Ihn. Und ich denke schon das er es schaffen wird.

      In New York ist die Strecke zudem nicht einfach gewesen. Auch hat er eine Gruppe verpasst, bei der er wohl da auch schon 1min hätte schneller laufen können.

      Lassen wir uns einfach mal überraschen ;).

  • Manuel

    Hey Christian,

    erstmal Glückwunsch zu Deiner tollen 10ner PBZ!
    Manchmal bin Ich schon etwas „schockiert“ was sich manche Leute denken oder von Sportlern erwarten, die neben dem Laufen noch teilweise arbeiten gehen und sich nicht mal von solch guter Leistung wie eurer finanziell absichern können.
    Ich bin gespannt wie es für Dich in Berlin laufen :-) wird! Und wünsche Dir dafür alles gute! Wenn Ich sehe, was für Dich ein GA1-Lauf ist rotiert meine „Pumpe“ bei knapp ner HF von 200 :-D

    LG, Manuel.

    PS: Deine Salming Xplore gefallen mir! :-)
    Darf Ich fragen, ob Du an Salming „herangetreten“ bistoder die an Dich?

    • Hallo Manuel,

      erstmal Vielen Dank für die Glückwünsche! Du hast natürlich Recht! Es ist nicht immer so einfach jedesmal auf höchstem Niveau seine Bestleistungen abzurufen. Finanzielle verdient man als deutscher in diesen Bereichen sehr selten was.

      Ich bin auch schon auf Berlin gespannt. es ist immer wieder ein Erlebnis dort zu laufen. Insgesamt werde ich dort schon zum 5. mal am Start stehen und bis jetzt hat es immer mit einer neuen Bestzeit geklappt.

      An Salming bin ich selber herangetreten. Hier habe ich eine gute Nische gefunden. Auch das gehört zu unserer Aufgabe dazu, sich selbst umzuschauen und zu „Vermarkten“. Da brauch man natürlich sehr gute Argument und vor allem Zeiten.

      Ja der Xplore und auch alle anderen Schuhe von Salming können sich sehen lassen. Mit den Schuhen habe ich ein viel besseres und direkteres Laufgefühl. Mittlerweile kann ich gar keinen gut gedämpften Schuhe mehr laufen, da es zu ungewohnt ist.

      P.S.: Die Kollektion 2015 kommt mit noch cooleren Farbe daher ;). Getragen habe ich Sie noch nicht aber schon gesehen.

      Beste Grüße

      • Manuel

        Hey Christian,

        ja, Berlin wird sicher wieder ein Highlight für Dich und Ich bin gespannt, inwieweit Du Dich dort verbessern kannst!
        Bzgl. Salming: Ich habe den Race auch zu Hause, nur hat mir dieser Schuh deutlich gezeigt, das Ich eine starke Überpronation habe und Ich den Schuh deshalb aktuell nur bis zu 10km-WK benutzen werde, da Ich mit dem Race eigentlich nur effektiv Vorfuß laufen kann. Alles andere wäre ne schlechte Belastung für Bänder, etc.
        Aber den Xplore habe Ich sehr gerne im Alltag an! :-)
        Bin gespannt was 2015 raus kommt!
        Jaaaaa, das mit der Dämpfung ;-)
        Heute laufen (fast) alle nur noch in High-Heels rum ;-)
        Da haben wir uns sehr von unseren „Vorfahren“ entfernt. Leider.

        PS: Ich finde es auch sehr interessant wie Ihr euer Training gestaltet! Also, das Ihr regelmäßig bzw. sehr häufig TDL macht, die sich im Marathon-Tempo bewegen!
        Mich würde dabei interessieren, in welchen HF-Bereich Ihr euch dabei befindet (also prozentual gesehen) und wie häufig Ihr Laktattest´s/Spirometrie macht.

        Liebe Grüße und voller Respekt vor eurer Leistung!
        Manuel

        • Der Salming Race ist muss man dazu sagen auch relativ wenig gestützt und einer der leichtesten Schuhe auf dem Markt. Bis 10k ist er wirklich sehr gut. Für längere Wettkampfstrecken hat sich der Salming Speed als sehr gut erwiesen. Ich komme damit wesentlich besser zurecht. Für den Marathon bis jetzt einer der besten Schuhe die ich hatte.
          Auf mehreren langen Läufen konnte ich das schon ausgiebig testen. In Berlin werde ich dann auch den Salming Speed tragen.
          Den Xplore trage ich auch nur im Alltag.

          Laktattest’s sowie Spirometrie mache ich so gut wie gar nicht. Anfang des Jahres war ich mit Marcel zur Leistungsdiagnostik.

          Wenn du mal Marathonolympiasieger und WM- Sieger Stephen Kiprotich nach seiner HF fragst, wird er dir wohl Antworten „I don’t know“ ;).

          So ganz trifft das bei mir nicht zu. Ich trainiere meistens ohne Puls, da sich mein training nicht danach richtet. Allerdings habe ich meine Pulswerte vor dem Höhentraining aufgezeichnet um in der Höhe nicht zu überziehen.
          Dabei hat sich herausgestellt, dass meine Pulswerte sogar niedriger waren als auf normaler Höhe.

          Bei einem schnellen LongJog bewege ich mich ungefähr bei 155 – max. 162 Schlägen (Tempo 3:20 – 3:29min/km). Dabei ist allerdings zu beachten, dass sich mein maximalpuls gerade einmal bei 185 Schlägen bewegt. Das sind ungefähr 85% (Mittelwert) der HF-max. Du kannst davon ausgehen, dass sich beim Wettkampf selber der Puls genau in diesem Bereich bewegt. Aber ich kenne keinen Profi, der im Wettkampf einen störenden Pulsgurt tragen würde ;).

          Beste Grüße
          Christian

          • Manuel

            Verrückt! ;-)

            Finde es genial, auch wenn mich die meisten dafür „schlachten“ das Ihr so konträr trainiert. Das gefällt mir!
            Für sich eigene Trainingsmethoden testen und herauszufinden was für einen das beste ist finde Ich klasse. Berlin ist bei mir schon auf dem Kalender dick notiert. Da werde Ich ausnahmsweise mal vor´m TV sitzen und mit euch mitfiebern!
            Werde mal schauen, ob Ich mir den Speed auch mal gönne. Man wird als Läufer ja fast schon zur Frau bei den ganzen Schuhen! ;-)

            Ganz liebe Grüße, Manuel.